TKH startet mit einer Sensation: Hannovers Luchse holen mit 66:63 Meister Stars Keltern vom Himmel
Hannover. Nach anderthalb Minuten vollendete Lashae Dwyer ihren Angriff für die TKH-Luchse mit einem Korbleger. Spätestens da war klar: In der Halle des Frauen-Basketball-Bundesligisten ist es nicht nur so laut wie immer. Der TKH hat auch einen neuen, begeisternden Wirbelwind. Und Spektakel kann das neu zusammengestellte Team ebenfalls.
Zum Auftakt schlugen die Luchse den Meister und Topfavoriten Stars Keltern mit 66:63. „Ein wunderbarer Start. Ich war überrascht, wie physisch stark wir waren. Ich bin super happy. Wow!“, sagte TKH-Trainer Jesper Sundberg.
Auf dem neuen hellblauen Boden begannen die Luchse mit einigen Fehlversuchen. In dieser Saison ist erstmals eine Spielfläche vorgeschrieben, die nur Basketball-Linien hat. Ein enormer Aufwand war es, das Feld (zuvor von den Handball-Recken genutzt) zu verlegen.
Rückkehrerin Rowie Jongeling stellte mit ihrem Dreier auf 5:5, Alyssa Brown glich per Dreier-Doppelpack zum 11:11 aus. Als Leonie Kambach zum 13:11 und damit zur ersten Führung gegen den Titelverteidiger traf, jubelte auch Hannovers Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten. Sie hatte sich vor dem Spiel als Luchse-Fan zu erkennen gegeben. Festzumachen vermochte der TKH den Vorsprung nicht, zur ersten Pause hieß es 13:22.
Unter den Zuschauerinnen war auch Finja Straube (ehemals Schaake), Ex-Spielerin der Luchse. Sie ist seit August Mutter von Zwillingen, ihre Töchterchen Josephine und Mathilda schliefen friedlich im Kinderwagen. Straube sah begeistert, wie Brown mit ihrem dritten Dreier auf 24:28 verkürzte, Dwyer wirbelte kurz darauf zum 28:31. Der 23-jährigen Kanadierin gelang nicht alles, aber sie riss die Zuschauer in der ausverkauften Halle mit. Sie war die Spielerin des Tages. Zur Halbzeit lagen die Luchse nur knapp mit 31:34 hinten, da applaudierten 3×3-Olympiasiegerin Marie Reichert und Nationalspielerin Meret Kleine-Beek. Beide gehören zum Kader, kurieren aber einen Kreuzbandriss aus.
Mit neuem Boden und verändertem Kader nicht genug – die Luchse haben obendrein einen neuen Sound. Sönke Seidensticker hat Bodo Gerdes als Hallensprecher abgelöst und machte eine Führungs-Ansage. Vier Punkte von Dwyer brachten dem TKH das 35:34 – Gerdes saß unterdessen im Publikum und trommelte sich die Hände wund.
Dann rieben sich allerdings die Gäste die Hände, sie legten einen rasanten 10:0-Lauf hin. Die Luchse zeigten jedoch keine Wirkung, sie kämpften unverdrossen. Maira Banko sorgte mit ihrem zweiten Dreier für riesigen Jubel, vor dem Schlussviertel lag der TKH mit 47:49 zurück.
Als Dwyer den Stars den Ball im Aufbau klaute und ausglich, zeigte Sundberg die Faust. Nach Konter glich die sehr starke Brown mit Extra-Freiwurf zum 54:54 aus, dann blieb Sundbergs Freundin Lovisa Hjern cool und erzielte das 56:54. Fünf Minuten vor dem Ende schien es, als könnten die Luchse die Stars vom Himmel holen. 54 Sekunden blieben, als die Gäste mit Freiwürfen das 63:63 erzielten. Prompt packte Kapitänin Karolin Tzokov einen Dreier aus, und die Stars verstolperten den nächsten Angriff.
Keltern foulte dann schnell, Dwyer verpasste beide Freiwürfe. Der letzte Versuch der Stars ging fehl, Jongeling holte den Rebound und passte noch einmal zu Dwyer. Die warf den Ball mit der Schlusssirene Richtung Hallendecke. Die Luchse tanzten ausgelassen. „Das Gefühl, Keltern zu schlagen, ist wunderbar. Es ist die führende Mannschaft. Ich bin unglaublich glücklich“, sagte der erschöpfte Sundberg.
TKH-Luchse: Dwyer 25, Brown 17, Banko 8, Hjern 8, Jongeling 3, Tzokov 3, Kambach 2, Manala, Armannsdottir, Wellmann.
Foto: Denise Köhler / Text: Stefan Dinse