Nachbericht : Spektakuläres TKH-Comeback: Luchse drehen 50:65-Rückstand gegen Alba Berlin
Trainer Jesper Sundberg stürmte jubelnd über das Feld, Geschäftsführer Thorben Steguweit brüllte alles heraus nach dieser verrückten Partie. Die TK Hannover-Luchse haben Alba Berlin am 8. Spieltag der Basketball-Bundesliga der Frauen nach einem 50:65-Rückstand im Schlussviertel mit 77:71 besiegt. „Wir hatten das Spiel schon verloren, wir waren so was von down. Und dann kommen wir in dieser Weise zurück – es ist großartig“, sagte Sundberg. Eine echte Show von Lashae Dwyer brachte die späte Wende.
Ganz großes Cheerleaderinnen-Aufgebot in der ausverkauften Halle der Otfried-Preußler-Schule: Die Mannschaft der Red Stars bereitet sich auf die WM in Japan vor und zeigte in der Halbzeit ihre Kür. Dem Team fehlen für das große Abenteuer noch 5000 Euro, die will der TKH mit Crowdfunding zusammenbekommen.
Nach 21 Sekunden brachte Lashae Dwyer die Luchse nach vorn – es war ein hektischer Beginn. Beide Teams hatten zuletzt zwei Spiele verloren. Als Rowie Jongeling den Rebound eines verpassten Freiwurfs von Alyssa Brown zum Korbleger nutzte, wurde es erstmals richtig laut in der Halle. Dann zeigte Sundberg, der inzwischen auch Nationaltrainer Österreichs ist, die Fäuste: Dwyer hatte den ersten Dreier verwandelt, die Kanadierin machte viel Tempo. Gewohnt stark und gedankenschnell spielte Brown, die vom Collegeteam der Lady Rebels aus Las Vegas gewechselt war. Sie musste reichlich einstecken, ließ sich von den Berlinerinnen aber nicht veralbern. Einen 24:16-Vorsprung nahm der TKH mit in die erste Pause.
Dann gestikulierte der TKH-Coach an der Seitenlinie hektischer: Alba flog auf 27:28 heran und bestrafte leichte Fehler der Luchse im Aufbau mit schnellen Gegenstößen. Ein Dreier von Kolbrun Armannsdottir hielt Hannover im Spiel, Dwyers Korbleger war fast ein Buzzer-Beater zur 39:38-Halbzeitführung. In der Pause spielte Matthias Brodowy am E-Piano seinen Hannover-Song und flocht unter Applaus eine treffende Korbzeile für die Luchse in den Text von „Stadt mit Keks“ ein. Ihren bis auf einen Zähler geschmolzenen Vorsprung büßten die Luchse schnell ein, ehe Jongeling per Dreier auf 46:45 stellte. Den nächsten Angriff fingen die Luchse ab, dabei stolperte Brown. Sundberg half ihr rasch auf – Zeit zum Verschnaufen gab es nicht.
Unpräzise Angriffe und Probleme bei den Defensiv-Rebounds ließen Sundberg in der nächsten Auszeit laut werden. Der TKH war auf 48:56 zurückgefallen. Lovisa Hjern trieb die Luchse an, doch die Fehler türmten sich so hoch wie die Cheerleader ihre Figuren. 50:58 hieß es vor dem Schlussviertel.
In diesem fingen sich die Luchse sieben Zähler am Stück – nun war es fast ein Albtraum statt des Traums vom Sieg über Alba. Dwyer landete zweimal krachend auf dem Boden, die TKH-Frauen versuchten alles, aber wenig gelang. Beim Stand von 54:67 sechs Minuten vor dem Ende schien alles klar. Dann packte Dwyer einen Korbleger und einen Dreier aus. Armannsdottir ließ zwei Dreipunktwürfe folgen – die Luchse waren drei Minuten vor Schluss zurück.
Dwyer per Dreier und Brown glichen aus; im tosenden Jubel fiel Alba tief. Nichts ging mehr für die verunsicherten Berlinerinnen. Ein weiterer Doppelpack der überragenden „Dreier-Dwyer“ und der Schlusspunkt Browns brachten dem TKH den Comeback-Sieg. „Ein geileres Spiel hab ich noch nie gesehen“, rief Steguweit. Und Teammanagerin Dorothea Horstmann-Richter ergänzte: „Basketball ist so wundervoll.“
TKH-Luchse: Dwyer 32, Brown 12, Armannsdottir 11, Hjern 10, Jongeling 5, Manala 4, Kambach 2, Banko 1.
Das nächste Spiel haben die Luchse am nächsten Samstag (19 Uhr) beim BC Marburg. Am 3. Dezember steht das Pokal-Achtelfinale bei Meister Stars Keltern an.