Keltern besiegt Marburg
BRUN0 KNÖLLER KELTERN-DIETLINGEN (Pforzheimer Zeitung)
Eigentlich könnten die meisten Konkurrenten der Rutronik Stars Keltern in der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) gleich das Handtuch zur Aufgabe werfen. Denn selbst mit einer eher mittelmäßigen Leistung hält der amtierende Deutsche Meister zahlreiche Teams auf Distanz.
So geschehen – einmal mehr – an diesem Sonntagnachmittag in der Speiterlinghalle in Dietlingen, als dort der BC Marburg aufkreuzte. „Es wird allmählich langweilig, in Keltern zu spielen. Die Rutronik Stars sind einfach die Champions“, kommentierte mit einem süßsauren Lächeln Jose Araujo, der Trainer der Hessen, die 64:76 (33:47)-Niederlage seiner Fünf im Enzkreis. „Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht.“ Dabei reiste die Mannschaft als aktueller Tabellenfünfter von der Lahn an und galt somit keineswegs als Laufkundschaft. An Fehlern mangelte es allerdings auch nicht aufseiten der heimischen Stars. Doch Trainerin Matea Tavic befand lakonisch: „Gewonnen ist gewonnen. Wir haben das Minimum getan. Es gab bei uns zu viele Downs im Spiel.“
Im Grunde entpuppten sich nur 180 Sekunden beim Champion als wirklich meisterlich. Diese drei Zeigerumdrehungen zwischen der dritten und fünften Minute demonstrierten, welche mannschaftliche und individuelle Klasse in den Gastgeberinnen steckt, als sie aus dem 0:4-Rückstand mit einem Zwölfer-Lauf eine 12:4-Führung zauberten. Und dieser frühe Vorsprung reichte im Grunde genommen aus, um das Ganze über die vollen 40 Minuten zu retten.
Zwei Viertel gehen an Marburg
Dabei imponierten die Basketballerinnen aus der Marburg, die sich 2003 die nationale Krone aufsetzen durften, nach dem mit 26:11 für Keltern gewonnenen ersten Viertel in den folgenden drei Durchgängen mit Kampfgeist. Die zweiten und dritten Viertel gingen mit 22:21 und 18:14 an Marburg und im letzten Viertel hatten die Gäste nur mit 13:15 das Nachsehen. Aber irgendwie mussten die 270 Zuschauer nie wirklich befürchten, dass Marburg die Punkte mitnehmen würde. Die beste Phase hatte der Tabellenfünfte allerdings kurz vor Ende der ersten Halbzeit, als er sich mit einem 8:0-Lauf aufbäumte und auf 31:38 heran kam.
Die meisten Punkte (15) auf Kelterner Seite sammelte diesmal Alexandria Kiss-Rusk. Ihre vier Freiwürfe fanden ins Ziel und mit einer Treffer-Quote von 56 Prozent bei den Würfen aus dem Spiel heraus, konnte sich auch diese Marke sehen lassen. Die jeweils vier Defensiv- und Offensiv-Rebounds der 31-jährigen trugen zudem maßgeblich zum Erfolg ihres Teams bei. Ebenso wie sie verwandelte auch Kylin McGuff alle ihre vier Freiwürfe und warf bei ihren lediglich fünf Versuchen in Richtung Korb lediglich zweimal daneben. Elf Punkte waren der Lohn.
Anders dagegen die ansonsten überragende Nationalspielerin und Olympia-Viertelfinalistin Alexandra Wilke. Nur ein einziger von 13 Dreier-Versuchen landete im Korb. Wenn sie dennoch mit 14 Punkten nur knapp hinter Kollegin Kiss-Rusk zurückblieb, unterstreicht das einmal mehr, wie unersetzlich die Kapitänin ist.
Dass die Portugal-Importe das Herzstück des BC Marburg sind, gilt nicht nur für Trainer Jose Araujo, der nebenbei übrigens noch die U20-Nationalmannschaft der Mädchen seines Landes coacht. Seine beiden Landsfrauen Ana Raimundo, mit 31 Jahren die älteste im Marburger Team, mit zwölf Punkten und die 24-jährige Sara Guerreiro mit elf Punkten erwiesen sich am zielsichersten.
Erstaunlich: Marburg hatte mit zwölf von zwölf Versuchen eine hundertprozentige Ausbeute bei Freiwürfen, Keltern mit 18 von 24 Freiwürfen dagegen lediglich eine Erfolgsquote von 75 Prozent. Doch letztlich war auch mitentscheidend, dass Keltern weniger foulte. Verletzt fehlten den Stars Malia Fisher und Ana Mandic.
Rutronik Stars Keltern: Alexandria Kiss-Rusk 15, Alexandra Wilke 14, Nevena Rosic 12, Maud Huijbens 11, Kilyn McGuff 11, Karina Konstantinova 6, Anastasia Schlipf 4, Ysaline Saulinier 3, Katerini Tsineke.