Nead-Aus trifft Hurricanes hart: Knappes 73:77 gegen Lichterfelde
Obwohl die Hurricanes einen 19-Punkte-Rückstand aufholen, verlieren sie vor eigenem Anhang eines der entscheidenden Spiele.
Rotenburg – Sind die Avides Hurricanes noch zu retten? Zumindest haben die Zweitliga-Basketballerinnen von der Wümme durch die 73:77 (34:44)-Heimniederlage gegen den „aufgemotzten“ TuS Lichterfelde wohl die letzte Chance verspielt, sich für die Play-downs eine bessere Ausgangslage zu verschaffen. Nach der vierten sieglosen Partie in Folge verharren sie auf dem elften Platz, und selbst Coach Christian Greve gestand: „Ich befürchte, dass wir da nicht mehr wegkommen.“ Vor allem der Ausfall von Kendall Nead zu Beginn des letzten Viertels schmerzte.
„Dass wir es nicht geschafft haben, noch einen Step mehr zu gehen, ist super ärgerlich“, ordnete auch Caroline Schwarz – mit elf Punkten, fünf Rebounds und fünf Assists noch eine der Besten in ihrem Team – den Auftritt in die Kategorie der bittersten Saisonniederlagen ein. Vor allem deshalb, weil die Hurricanes einen 19-Punkte-Rückstand, den sie sich nach einer Viertelstunde eingebrockt hatten (23:42), tatsächlich wieder aufholen sollten. Mit einem Dreier glich Schwarz zum 55:55 aus (30.), zweimal gingen die Gastgeberinnen vor rund 100 Zuschauern in der Pestalozzihalle sogar in Führung – beim 60:58 durch Jenna Cotter (32.) und beim 67:66 durch Luise Linke (36.).
Doch der Ausfall ihrer an diesem Abend besten Werferin Kendall Nead (16 Punkte) gleich zu Beginn des Schlussviertels war nicht zu kompensieren. Der amerikanische Profi war nach einer Abwehraktion zu Boden gegangen, zunächst benommen zur Bank geführt worden und dann in der Kabine verschwunden. „Wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung“, erklärte Physiotherapeutin Alena Heimsoth, die die Erstversorgung übernommen hatte. Die Unparteiischen Johannes Pütter und Jan-Willem van Zütphen hatten in dieser Szene jedoch kein Foul erkannt, sondern auf Einwurf für Lichterfelde entschieden. „Ich hab’s gesehen“, meinte hingegen Greve und haderte mit dem Ausfall seiner Führungsspielerin: „Das hat uns schon geschwächt. Sie ist auch gerade ziemlich down, weil sie der Mannschaft nicht mehr helfen konnte.“ Auch Caroline Schwarz sprach von einem Nachteil: „Total, weil sie so viel Energie reingebracht hat.“
So mussten die Hurricanes fortan zu siebt klarkommen. Dass ihnen ein wenig die Puste ausging, bestätigte Schwarz. Allein mit der kleinen Rotation wollte sie die Niederlage aber nicht erklären: „Man kann es nicht immer nur darauf schieben.“ Lichterfelde, mit voller Kapelle angereist, hatte sich wiederum überraschend noch einmal verstärkt und die langjährige Nationalspielerin Ama Degbeon vor dem Spiel aus dem Hut gezaubert. Die Qualität der 30-Jährigen spiegelte sich in ihrer Präsenz sowie ihren zwölf Punkten und elf Rebounds wider. Dabei war sie zwar gemeldet worden, tauchte aber selbst in der internen Datenbank, wo die Namen aller Spielerinnen eigentlich eingetragen werden müssen, nicht auf, wie Greve berichtete. „Der Liga habe ich schon geschrieben“, verriet der Coach. Einen Einspruch bewertete aber auch er als „vermutlich chancenlos“.
Vielmehr müssen sich die Hurricanes hinterfragen, warum sie überhaupt Mitte des zweiten Viertels wieder einmal so deutlich in Rückstand geraten konnten. „Wir haben Phasen gehabt, in denen wir nicht gut verteidigt haben“, wusste Greve. Auch aus der Distanz kam Lichterfelde immer wieder zu leichten Dreiern. „Die Umstellung auf die Zone hat uns dann schon geholfen“, meinte der Trainer der Hurricanes und fand: „Die Offense ist eigentlich nicht unser Problem.“ Aber auch da lief es in der Crunchtime nicht wie erhofft. „Da waren wir nicht mehr smart genug“, räumte Greve ein. Als die US-Amerikanerin Cotter dann 40 Sekunden vor Schluss ein Offensivfoul unterlief und die Berlinerinnen anschließend Lilli Schultze vor dem 76:70 clever freispielten, war es um die Hurricanes geschehen.
(Freese, Rotenburger Kreiszeitung)
