Nach 16 Jahren: Grafelmann gibt bei Heimniederlage ihr Comeback
Gegen Osnabrück bietet der Hurricanes-Coach Christian Greve neben der Routinierin auch zwei Talente auf. Dennoch folgt im zweiten Viertel der Bruch.
Rotenburg – Auch ein quantitatives „Luxusproblem“ hat die 18. Saisonniederlage der Avides Hurricanes nicht verhindern können. Erstmals in dieser Saison lief der personell sonst dünn besetzte Basketball-Zweitligist von der Wümme mit einem zehnköpfigen Kader auf, allerdings war der erneute Ausfall von Kapitänin Pia Mankertz, die im Urlaub weilte, nicht zu kompensieren. Im letzten Hauptrunden-Heimspiel vor den Play-downs setzte es ein 55:87 (26:45) gegen den sicheren Play-off-Teilnehmer BBC Osnabrück. Bei der siebten Niederlage in Folge bot Coach Christian Greve neben Nele Meyer und Debütantin Rosalie Schreibvogel auch „Comebackerin“ Sabrina Grafelmann aus der Reserve auf.
Insbesondere für Grafelmann war es ein ganz besonderes Spiel, wenngleich sie eigentlich bei fast jeder Hurricanes-Heimpartie in der Halle ist – und nur wenige Meter entfernt von der Bank Platz nimmt. Die 32-Jährige ist normalerweise die Verantwortliche des Kampfgerichts. Nun aber berief Greve die Routinierin aus der zweiten Mannschaft in seinen Spieltagskader. Auf 3:35 Minuten Einsatzzeit kam sie vor der Halbzeit und damit zum Zweitliga-Comeback. „Vor genau 16 Jahren, in der ersten Zweitliga-Saison 2009/2010, war ich dabei“, erzählte Grafelmann.
Die 19-jährige Nele Meyer absolvierte bereits ihr drittes Zweitligaspiel in Folge und steuerte dieses Mal zwei Punkte, zwei Rebounds und zwei Assists bei. Fast 13 Minuten gönnte Greve der Flügelspielerin und meinte: „Ich bin begeistert von ihr. Sie weiß, was ihr Job ist.“ Auch für die ebenfalls 19-jährige Rosalie Schreibvogel lief es gut. Als Greve ihr in der 36. Minute zur Zweitliga-Premiere verhalf, nutzte sie die Chance mit dem ersten Ballkontakt zum Assist für die US-Amerikanerin Kendall Nead, die zum 47:76 traf. „Alle drei haben es gut gemacht. Sie hängen sich rein und sind bereit“, lobte der Coach sein Trio aus der 2. Regionalliga.
Gut war sein Team vor den rund 80 Zuschauern in der Pestalozzihalle auch im ersten Viertel des Spiels gewesen. Nach ständig wechselnder Führung ging das nur knapp mit 19:17 an Osnabrück. Doch der gewohnte Einbruch blieb auch dieses Mal nicht aus und kam im zweiten Durchgang. Mit 9:26 ging dieser weg, sodass Greve hinterher ungewohnt deftig von einem „verkackten zweiten Viertel“ sprach. „Defensiv war es im ersten Viertel noch in Ordnung, aber das Experiment im zweiten Viertel, zu schauen, ob wir es auch mit der Zone hinkriegen, hat gar nicht geklappt.“ Die Partie war folglich vorentschieden. „Da war das Thema durch“, wusste der Coach und berichtete: „Entsprechend habe ich in der Halbzeit in ziemlich bedröppelte Gesichter geguckt.“
Hoffnung auf eine Wende gab es nach der Pause nicht, zumal die Fehlerquote einfach zu hoch war. Insbesondere die Turnover-Anzahl war mit 35 Ballverlusten erneut unterirdisch. Osnabrück hatte fast doppelt so viele Steals und erzielte zudem insgesamt neun Dreier. Bei den Hurricanes war nur Anna Lena Skeib zweimal aus der Entfernung erfolgreich. Die besten Werte im Team der Gastgeberinnen wies einmal mehr Power Forward Luise Linke auf. Die 18-Jährige kam auf zwölf Punkte und zehn Rebounds – es war bereits ihr achtes Double-Double der laufenden Punktspielrunde.
Für die Hurricanes geht es nun darum, das letzte Hauptrundenspiel beim sieglosen Schlusslicht Hürther BC zu gewinnen, um möglichst als Tabellenelfter in die Abstiegsspiele gegen Eintracht Braunschweig zu gehen. „Das soll für uns der Auftakt sein, uns mental auf die Play-downs vorzubereiten“, erklärte Greve bereits.
(Freese, Rotenburger Kreiszeitung)


