Kleiner, aber feiner Kader – und neue Gefahr von der Dreierlinie
Die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes gehen mit einem kleinen, aber feinen Kader in die Saison. Samstag geht es gegen Leverkusen los.
Rotenburg – Wären die Avides Hurricanes ein Paket, dann würde auf ihnen wohl das Etikett „Handle with care“ kleben. Vorsichtig behandeln, sprich: bloß nicht verletzen – so könnte die oberste Prämisse lauten. Denn: Der Kader für die Saison 2025/2026 in der 2. Basketball-Bundesliga ist fein, aber eben auch klein. Ein zehnköpfiges Mini-Aufgebot, das ohne die Kreuzband-Rekonvaleszentin Anna Gerken aktuell sogar nur neun Spielerinnen umfasst, steht Christian Greve in seiner achten Saison in Folge zur Verfügung. Der als Lehrer an der Eichenschule tätige Head Coach ist vor dem ersten Punktspiel am Samstag (18.30 Uhr) in der heimischen Pestalozzihalle gegen den Titelanwärter und Erstliga-Rückzieher Wings Leverkusen dennoch recht gelassen: „Angst habe ich nicht, aber mir ist bewusst, dass wir es bei Verletzungen anders händeln müssen.“
Gerade mal sechs Spielerinnen sind Greve aus dem Kader der Vorsaison, die im Viertelfinale der Play-offs endete, übriggeblieben: Kapitänin Pia Mankertz (34), Anna Lena Skeib (21), Luise Linke (17), Melda Tölle (23), Caroline Schwarz (24) und eben Anna Gerken (18). „Der Kader, wie er aufgestellt ist, ist in der Breite sehr gut. Das Gefälle ist nicht so groß“, hat der 50-jährige Trainer festgestellt. Auch zwei Profis gehören ihm traditionell wieder an, zwei neue wohlgemerkt, nachdem Sam Deem und Maren Durant nicht verlängert hatten.
Als Small Forward soll dabei die US-Amerikanerin Kendall Nead (23) für neue und mehr Gefahr aus der Distanz sorgen. Sie kann bereits Übersee-Erfahrung vorweisen und stand zuletzt beim Schweizer Erstligisten BBC Troistorrents-Chablais unter Vertrag. „Sie bringt spielerisch eine hohe Qualität mit, die wir auf der Flügelposition brauchen. Gerade was die Dreier angeht, da ist sie manchmal ansatzlos“, weiß Greve. Und er folgert auch mit Blick auf Pia Mankertz und Anna Lena Skeib: „Wir werden von der Dreierlinie gefährlich sein.“
Neads Landsfrau Jenna Cotter (22) stammt ursprünglich aus North Carolina. Die Centerin kommt frisch vom College, der State University of New York in Potsdam. „Sie kann mit beiden Händen gut finishen, hat ein gutes Spielverständnis und eine sehr gute Trainingsbereitschaft“, findet Greve, sagt aber auch: „Sie muss sich noch daran gewöhnen, dass sie jederzeit von Pia einen Pass erwarten kann.“ Gut auch, dass sie im Training mit Katharina Newton eine ähnlich große Gegenspielerin auf ihrer Position hat. „Das gibt uns die Möglichkeit, individueller zu arbeiten. Diese Match-up wird helfen“, ist der Coach überzeugt. Newton gilt ebenfalls als Quasi-Neuzugang: Die inzwischen 43-Jährige, die Erstliga-Erfahrung mitbringt und letzte Saison bereits ausgeholfen hat, hat sich dazu entschlossen, noch einmal fest im Zweitliga-Team anzugreifen – nun erhält sie auch „ihr eigenes Trikot“, wie Greve verrät.
Im Fall von Nele Gleitsmann (22) gesteht der „Trainer-Dino“ der Liga: „Ich ärgere mich, dass ich sie nicht schon früher angesprochen habe. Ich habe das Gefühl, sie spielt schon ewig mit den anderen zusammen. Sie kann Dreier werfen, zum Korb ziehen und verteidigt gut am Perimeter.“ Der Shooting Guard wird mit Doppellizenz aber auch weiterhin für den SC Rist Wedel eine Liga tiefer auflaufen, wenn die Spiele der Hurricanes das zulassen.
Weitere Verstärkungen blieben allerdings aus. „Ich hätte schon noch gerne Spielerinnen gehabt, die es ausprobieren und reinwachsen können“, gesteht Greve. „Aber im Notfall sind wir ja nicht komplett blank.“ Wer dann allerdings einspringen würde, sagt er nicht, „weil ich erst darüber nachdenke, wenn der Fall eintreten würde“. Vergangene Saison war es neben Newton auch Hannah Pakulat.
Trotz des kleinen Kaders ist der Coach überzeugt, „dass wir in der Liga ordentlich mitspielen können, aber es ist ganz schwer planbar, weil es bei einigen Mannschaften eine Fluktuation gab“, sagt Greve und nennt den VfL Bochum sowie die Erstliga-Rückzieher BG 74 Göttingen und Wings Leverkusen als seine Top-Favoriten. Dass es dabei gleich zum Auftakt gegen die letztjährigen Teams aus dem Oberhaus geht, findet er „undankbar. Es gibt elegantere Wege, um in die Liga reinzukommen.“ Auftaktgegner Leverkusen scheint dabei ein sehr ambitioniertes Team aus vielen bekannten Spielerinnen mit Erst- und Zweitliga-Erfahrung sowie den drei Amerikanerinnen Kendra Parra, Natalie Villaflor und Tessa Brugler zu stellen. Bei den Hurricanes fällt Melda Tölle aus privaten Gründen aus.
Eine erneute Qualifikation für die Play-offs wird aber auch deshalb schwieriger für den Zweitliga-Meister von 2023 und 2024, weil nur die ersten vier Teams und nicht mehr die besten Acht hieran teilnehmen. Ein klares Ziel definiert Greve nicht: „Wir haben da überhaupt nicht drüber gesprochen. Prinzipiell sind alle sehr competitiv. Wenn wir unter die ersten Vier kommen könnten, wollen wir es auch schaffen. Wenn wir unter den ersten Acht stehen – auch gut. Alles darunter sollte jedoch nicht unser Anspruch sein“, erklärt der Coach.
(Freese, Rotenburger Kreiszeitung)