Hurricanes empfangen Keltern: Zeit für ein Weihnachtsmärchen?

Letzter Auftritt in diesem Jahr ‒ und noch mal ein sportliches Highlight: Die Avides Hurricanes empfangen das Erstliga-Spitzenteam aus Keltern.

Rotenburg – Vielleicht ist es die Chance: Drei Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen empfangen die Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes am Sonntag um 15 Uhr (Pestalozzihalle) im Achtelfinale des DBBL-Pokals das Erstliga-Spitzenteam Rutronik Stars Keltern – und das hat gerade turbulente Tage hinter sich. Niederlage in der Liga, abgeschlagen im Eurocup und ein kurzfristiger Trainerwechsel kennzeichnen die aktuelle Situation beim zweifachen Deutschen Meister (2018, 2021) und momentanen Tabellenvierten. Können die seit vier Spielen ungeschlagenen Hurricanes das für sich und für eine Überraschung nutzen?

Anfang der Woche trennten sich die „Sterne“ aus Baden-Württemberg von Trainer Timur Topal – nach gerade einmal 102 Tagen. „Dass wir im Eurocup chancenlos sein werden, war bereits nach der Auslosung zu erwarten. Die Leistungen in der Bundesliga können wir jedoch nicht akzeptieren“, erklärte Vereinsboss Dirk Steidl via Facebook. „Wir haben ein sportlich sowie charakterlich tolles Team, das jedoch in den letzten Spielen jegliche Performance vermissen lassen hat.“ Die Pleite bei den Eigner Angels Nördlingen war eine zu viel. Auf die Bank kehrte deshalb ein alter Bekannter zurück: Der im Sommer ausgestiegene Erfolgscoach Christian Hergenröther übernahm interimsweise bis zum 11. Januar. „Natürlich war es nicht mein Interesse, meinen Nachfolger zu beerben“, teilte er mit. Sein erster Einsatz war bereits am Donnerstagabend im Heimspiel des europäischen Wettbewerbs gegen Umana Reyer Venezia. Insofern kommt Keltern wohl alles andere als ausgeruht mit dem Zug nach Rotenburg.

„Weihnachten ist die Zeit für Wünsche! Und vielleicht ja auch für ein kleines Basketball-Wunder?!“, hofft Hurricanes-Vorstand Utz Bührmann. Immerhin: 2019 hielten die Hurricanes an selber Stelle schon einmal gut mit und unterlagen dem Favoriten lediglich mit 55:72. „Eine Chance sieht man als Coach immer“, sagt auch Trainer Christian Greve. „Und wir haben mit dem TK Hannover vor zwei Jahren schon mal einen Erstligisten geschlagen.“ Einen Vorteil sieht er für sein Team durch die aktuelle Situation bei Keltern jedoch nicht: „Eher das Gegenteil ist der Fall. Die werden gucken, sich gegen einen Zweitligisten neues Vertrauen zu holen. Und Christian Hergenröther ist erfahren genug, der wird uns nicht unterschätzen, sondern es seriös angehen“, ist Greve überzeugt.

Aus dem Hurricanes-Team des letzten Duells werden nur Hannah Pakulat und Andrea Baden am Sonntag auf dem Feld stehen. Die vor drei Jahren überragende Pia Mankertz fehlt ebenso verletzt wie Michelle Schischkov und Melda Tölle. Neu ist der Gegner für die beiden US-Amerikanerinnen Shannon Ryan und Ay´Anna Bey. Beim letzten Aufeinandertreffen bildeten noch ihre Landsfrauen Becky Nash und Kama Griffitts das Profi-Duo.

Keltern kann da als Erstligist natürlich einiges mehr an ausländischen Cracks aufbieten. Im Kader stehen die US-Amerikanerinnen Krystal Vaughn, Adrienne Webb und Oshlynn Brown, die Slowakin Veronika Remenarova, die Ungarin Alexandria Kiss-Rusk (Ungarn), die Belgierin Emmanuelle Mayombo, die Bosnierin Matea Tavic sowie die Deutsch-Amerikanerin Rachel Arthur. „Sie sind eines der erfolgreichsten und auf jeden Fall finanziell wie organisatorisch bestaufgestellten Teams im deutschen Damenbasketball“, betont Bührmann.

Am vierten Advent treten die Hurricanes zudem gegen einen weiteren übermächtig scheinenden Gegner an – zeitversetzt steigt schließlich das Finale der Fußball-WM. „Basketball ist da eine tolle Alternative“, wirbt Bührmann: „Und wer weiß, ob es nicht doch noch ein Weihnachtsmärchen gibt …“

(Freese, Rotenburger Kreiszeitung)