Greves Geduld hilft bei der „Metamorphose“
Der größte Umbruch der Vereinsgeschichte drückt das Durchschnittsalter bei den Hurricanes auf 20,7 Jahre. Coach Greve peilt den Zweitliga-Klassenerhalt an.
Rotenburg – Geduld ist eine notwendige Eigenschaft als Trainer. „Das ist eine meiner größten Stärken. Das ist mir von zu Hause vererbt worden. Ich wurde auch schon häufiger als Stoiker bezeichnet“, erzählt Christian Greve, der Headcoach der Avides Hurricanes. Der 50-Jährige blieb auch am Montagabend gelassen. Da endete das Fotoshooting seiner Basketballerinnen erst, als die zweistündige Trainingszeit längst überschritten war. Geduld zeigte Greve ebenso bei der Suche der spät verpflichteten zweiten Profispielerin Nabaweeyah McGill. Und er wird sie in der Saison benötigen, denn die Hurricanes kommen nach dem größten Umbruch der vergangenen Jahre rundum erneuert daher. Gleich zehn neue Gesichter gehören im zehnten Zweitliga-Jahr in Serie zum Kader (hier geht es zu unserem Instagram-Video), vier sind geblieben.
Die Stimmung leidet unter der „Metamorphose“ nicht. Nele Gleitsmann, die nach dem Ausstieg von Pia Mankertz nun mit Caroline Schwarz eine Kapitäns-Doppelspitze bildet, blickt neugierig-positiv in die Saison 2026/2027: „Der Umbruch des Teams ist auf jeden Fall eine abenteuerliche Reise“, vermutet der Shooting Guard. Die 23-Jährige selbst war vor einem Jahr zu den Hurricanes gestoßen und mit wichtigen Dreiern maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt. Sie glaubt: „Wir haben sehr viele neue Stärken, wir haben sehr viele neue Spielerinnen. Ich bin sehr gespannt, wie es wird. Ich denke, aufgrund der ganz vielen positiven Energie, die bei uns im Team ist, dass das eine sehr spannende und coole Saison wird.“
Coach Greve schraubt die Erwartung nicht zu hoch: „Für uns ist das Ziel der Klassenerhalt, alles darüber hinaus wäre vermessen. Es gibt Top-Teams, an die wir nicht rankommen“, sagt er und denkt unter anderem an den Auftaktgegner VfL Bochum, bei dem die Hurricanes Sonntag (17 Uhr) auflaufen. Der Vizemeister ist neben den Wings Leverkusen und der BG ´74 Göttingen sein Titelfavorit. „Bei uns kommt dazu, dass wir ein junges Team sind, wir können nicht mit Erfahrung glänzen.“ Der Blick auf das Durchschnittsalter gibt Greve recht: 20,7 Jahre beträgt es nur noch. Im Vorjahr, als die Routiniers Pia Mankertz (35) und Katharina Newton (44) dabei waren, lag es bei 24,7 Jahren.
„Wir werden am Anfang schon noch struggeln und vielleicht böse Ergebnisse einfahren“, befürchtet Greve, betont aber: „Ich glaube an die Qualität des gesamten Teams als Kollektiv.“ Nach dem größten Umbruch, den er selbst je erlebt hat, zählt Greve den Kader „menschlich und vom Teamgefüge zu meinen Top-Fünf-Mannschaften“. Auch die neuen Mannschaftsführerinnen „schaffen es, mit ihrer Art das Team zusammenzubringen“.
Tragende Stützen müssen die beiden Profis aus den USA werden. Point Guard Destinee Bursch soll spielerisch die Mankertz-Lücke schließen. Greve: „Ich habe schon gesehen, wie wichtig sie sein wird. Und sie ist auch mit Leadership-Qualitäten ausgestattet.“ Die 23-Jährige aus Minnesota bleibt bescheiden: „Ich bin sehr aufgeregt, alle Mädels richtig kennenzulernen, und ich will einfach Tag für Tag, bei jedem Spiel alles geben.“ Erst Mitte September stieß Power Forward Nabaweeyah McGill zum Team. Sie hatte Greve bereits länger in seiner Spielerdatenbank gelistet, jedoch gedacht, dass es finanziell nicht matchen würde. Tat es doch. „Nach den ersten Einheiten merkt man schon, dass sie ein Athlet ist. Bei der Variabilität, die wir haben werden, passt sie sehr gut rein“, glaubt der Coach. Der 24-jährige Power Forward selbst meint: „Ich habe hier ein tolles Team und erwarte nichts anderes als eine erfolgreiche Saison.“
Dabei verzichtet Greve bewusst auf eine typische Centerin. „Unser Spiel ist so ausgelegt, dass wir keine klassische Fünf haben. Das ist der moderne Basketball“, erklärt er. „Ich denke, dass wir damit gut fahren.“ McGill sei zudem mit 1,88 Meter groß genug, „um eine Centerin verteidigen zu können. Und wir haben zwei, drei andere, die da tätig sein können.“
Neben den Amerikanerinnen sind die Polin Krystsina Bairak, Franka Kraus, Arwen Röhrl, Jillian Schwarz, Paula Sattelkau, Teodora Zecevic sowie die fest hochgezogenen Nele Meyer und Rosalie Schreibvogel neu im Kader. Außer Gleitsmann und Caroline Schwarz hielt auch Luise Linke die Treue. Ebenso Anna Gerken, die seit anderthalb Jahren am Kreuzbandriss laboriert und noch nicht in den Vollkontakt gehen kann.
(Freese, Rotenburger Kreiszeitung)

