Ausweg aus der Krise: Das Niemandsland ist jetzt das Ziel der Avides Hurricanes
Die Hurricanes stehen nur auf Platz zehn. Der kleine Kader macht dem Team schwer zu schaffen, Verstärkung ist nicht in Sicht. Jetzt kommt Oberhausen.
Rotenburg – Ist das schon eine Krise? „Es geht in die Richtung, aber Krise ist für mich zu absolut“, findet Coach Christian Greve. Jedenfalls erleben seine Zweitliga-Basketballerinnen der Avides Hurricanes sportlich betrachtet die vielleicht schwerste Zeit seit dem Abstieg 2017 aus dem Oberhaus. Nach acht Punktspielen haben sie erst zwei Siege auf der Habenseite ihres Kontos – Rang zehn. New Basket Oberhausen, um einen Rang besser platzierter Gegner im Heimspiel an diesem Samstag (18.30 Uhr, Pestalozzihalle), „müssen wir schlagen“, sagt deshalb auch Hurricanes-Vorstand Utz Bührmann.
Ein wenig erinnert die Situation an die vergangene Saison. Damals waren die Hurricanes Ende Oktober sogar Schlusslicht. Letztlich schaffte der Meister von 2023 und 2024 doch noch die Play-off-Teilnahme. „Dass wir jetzt so weit unten stehen, hätten wir nicht gedacht. Unser Ziel war ein guter Mittelfeldplatz, aber wenn es nicht besser wird, sind wir in den Play-downs“, befürchtet Bührmann. „In der Offense haben wir noch gar nicht unseren Rhythmus zusammen gefunden“, räumt Kapitänin Pia Mankertz ein. „Es wirkt so, dass wir Probleme haben, wenn ein Gegner Druck macht. Dann kommen wir nicht in unsere Sets, können unsere Spielidee nicht so umsetzen und nicht aufs Feld bringen, was wir in den Trainingseinheiten uns erarbeiten.“ In vielen Spielen haben die Hurricanes einen Fehlstart hingelegt – oft zeigten sie nur ein oder zwei gute Viertel. „Wir haben ja in manchen Phasen und Spielen schon gezeigt, dass wir in der Lage sind, auch aggressiver zu spielen, zu verteidigen und gut in der Offense zu spielen. Wir haben schon gezeigt, dass wir Potenzial und gute Spielerinnen haben, die zusammen funktionieren können. Das schaffen wir nur noch nicht, 40 Minuten aufs Feld zu bringen“, sagt Mankertz.
Der Hauptgrund liegt auf der Hand: „Das ist ganz offensichtlich der kleine Kader. Das hat uns auch das Spiel in Eimsbüttel gekostet“, ist Bührmann überzeugt. Beim TuS Lichterfelde (60:66) traten die Hurricanes gar nur zu sechst an. „Und Langzeitausfälle könnten wir gar nicht gebrauchen“, weiß der Hurricanes-Chef. Momentan gehören neun Spielerinnen zum Kader, Anna Gerken soll ihn nach auskuriertem Kreuzbandriss im neuen Jahr ergänzen. „Spiele mit sechs oder sieben Leuten zu absolvieren, teilweise 35 bis 40 Minuten zu spielen, ist schwierig“, bestätigt Mankertz. „Diese kleine Rotation verhindert, dass man 40 Minuten Druck machen kann.“ Vor allem die 35-Jährige selbst bekommt das zu spüren. Von bisher 320 absolvierten Minuten stand sie 308 auf dem Feld! Dennoch ist sie mit 105 Punkten die beste Korbjägerin im Team. Weitere Gründe für Mankertz: „Es gab in den letzten ein, zwei Jahren einen Riesenumbruch. Das ist natürlich schwierig, in der Liga zu bestehen mit Spielerinnen, die wenig bis gar nicht vorher auf dem Niveau gespielt haben, die sich erst mal reinfinden müssen.“ Das sieht auch Greve so: „Die Jüngeren müssen in Fußstapfen treten, die noch riesig sind.“ Und Mankertz bemerkt: „Zudem dauert es noch, sich mit den neuen ,Amis‘ abzustimmen und einzuspielen.“ Bührmann wiederum hat beobachtet: „Wir haben immer eine, die einen tollen Lauf hat, aber dann fehlt im Team die Konstanz.“
Am sinnvollsten wäre es, den Kader zu verstärken. „Wir könnten noch eine dritte Amerikanerin holen“, verweist Bührmann, gleichzeitig für die Finanzen zuständig, auf die Regularien, die das seit dieser Saison zulassen. Doch er fügt schnell an: „Das schließe ich kategorisch aus. Das ist nicht im Budget drin.“ Ein Comeback der langjährigen Kräfte Hannah Kirschstein, Andrea Sievers und Janina Schinkel hält er ebenfalls für unrealistisch und erfährt Zustimmung von Greve: „Die Drei kommen nicht infrage. Andrea ist junge Mutter, Hannah schafft es zeitlich nicht und mit Janina hatte ich vor der Saison gesprochen.“ Die Hoffnung, von außerhalb noch Unterstützung zu bekommen, ist ebenfalls gering. Und für die Spielerinnen der Zweiten ist der Sprung schlicht zu groß. „Ich bin darauf eingestellt, mit dem auszukommen, was wir haben“, sagt Greve und konzentriert sich auf die Trainingsinhalte: „Wir arbeiten daran, mehr Körbe zu erzielen. Es geht um den Druck, den man im Spiel aushalten muss.“ Tempo und Handlungsschnelligkeit sind weitere Schlagwörter.
Was ist noch drin? Unter Greve waren die Hurricanes seit jeher ein Team, das erst in der zweiten Saisonhälfte ins Rollen gekommen ist. Eigentlich ist die Crew auch zu stark, um in ernsthafte Abstiegsgefahr zu kommen – es sei denn, sie ist von längerfristigen Ausfällen betroffen. Bührmann ruft das „Niemandsland“ als neues Ziel aus, heißt: Zum Ende der Hauptrunde müssen die Hurricanes mindestens auf Platz acht vorstoßen, um die Play-downs (Platz neun bis zwölf) zu vermeiden. Denn dort „ist die Gefahr, dass mal ein, zwei Leistungsträger fehlen und du dann schnell absteigen kannst. Das wollen wir tunlichst vermeiden“, erklärt Bührmann. Hoffnung auf große Tabellensprünge nach vorne und die Play-offs bestehen nicht, zumal sich nicht wie vergangene Saison die ersten Acht, sondern nur noch die ersten Vier hierfür qualifizieren.
(Freese, Rotenburger Kreiszeitung)