Vielen Dank, Frank Arnold!

Engagement weit über den sportlichen Bereich hinaus

18 Jahre ist es her, dass er als Trainer zum BC Marburg stieß. Für eine ganze Generation Basketballer gab es diesen Verein nie ohne Frank Arnold. Seit dem 1. Juli ist nun der Hessische Basketball-Verband (HBV) sein Arbeitgeber: Der gebürtige Kasseler ist hauptamtlicher Landestrainer für den weiblichen Jugendbereich.

„Ich bin damals schon nach Marburg gekommen, um langfristig hier zu arbeiten“, sagt der Diplom-Ingenieur für Architektur. Vorher war er 16 Jahre lang Trainer in Wolfenbüttel, die letzten 3 als Co-Trainer des Damen-Bundesliga-Teams. „Nach dem ersten Jahr in Marburg war ich unsicher, ob mein Vertrag verlängert würde“, erinnert er sich. Doch diese Angst sei ihm schnell genommen worden.

Franks Schwerpunkt lag immer auf der Individualförderung junger Spielerinnen, teilweise auch aus der Bundesliga. Dabei zeigte sich die Verzahnung zwischen Mädchen-Basketball-Leistungszentrum (MBLZ) und BC. Er betreute Mannschaften von der U12 bis zur U16, das WNBL-Team in der U18-Bundesliga sowie die Regionalliga-Mannschaft. Überdies saß er in 13 Spielzeiten als Co-Trainer auf der Bank des Erstliga-Teams. Und: Der 53-Jährige agierte als Krankheitsvertretung in zwei Bundesligaspielen sogar als Cheftrainer. Vier Bronzemedaillen holte Frank mit dem Erstliga-Team.

„Dieser perfekte Ausgleich wird mir ein Stück weit fehlen“

„Ich habe den Ausgleich besonders genossen“, sagt er: Auf der einen Seite die Kinder und Jugendlichen, „die dich anlächeln, wenn du ins Training kommst“. Und auf der anderen Seite erwachsene Bundesligaspielerinnen: „Die geben dir eine ganz andere Rückkopplung. Dieser perfekte Ausgleich wird mir ein Stück weit fehlen“. Und der regelmäßige Kontakt in der Halle mit den Spielerinnen. „Ich weiß nicht, ob ich mehr Zeit in Georg-Gaßmann-Halle oder in meiner Wohnung verbracht habe.“

Für den HBV kümmert sich Frank nun vorrangig um die hessischen Kaderspielerinnen: „Es geht darum, Individualförderung für talentierte Spielerinnen regional als Stützpunkttraining oder in Kleingruppen vor Ort zu organisieren“, sagt der 53-Jährige.

Frank war sich nicht zu Schade, im Kampfgericht mitzuhelfen – hier während eines Bundesligaspiels. Foto: Stefan Tschersich

„Ich werde viel rumreisen, Spielerinnen sichten, mit Vereinstrainern sprechen und die Zielsetzung des Deutschen Basketball-Bundes für Kaderspielerinnen in die Vereine transportieren.“ Und: „Wir wollen es schaffen, mehr Mädchen zum Basketball zu bringen und dann fördern“, sagt der neue Landestrainer, „vor allem in den Randbereichen Hessens.“

„Als ich nach Marburg gekommen bin, wurde gerade für den Jugendbereich etwas was komplett neu gestaltet“, sagt Frank. „Da haben Christine Hellkötter, später Patrick Unger als Jugendkoordinator und viele andere viel Arbeit reingesteckt“, sagt Frank, „das hat sich ganz gut entwickelt.“ Und „wir hatten in Marburg immer ein Trainerteam, das sehr gut zusammen funktioniert hat“. Er hoffe, dass das so bleibe.

Besondere Erlebnisse habe es während der 18 Jahre Marburg viele gegeben, zum Beispiel die großen Jugendturniere in Wien, Zehlendorf und Göttingen. Oder „13 Stunden im Bus zu sitzen auf dem Weg zum Bundesligaspiel in Chemnitz, mit Vollsperrung der Autobahn, weil ein Lkw mit Gullydeckeln umgekippt war“. Die Spielerinnen stiegen in Privat-Pkws um und kamen so zum Spiel. Oder auf der Rückfahrt von einem Bundesligaspiel in Saarlouis: „Da hat es so geschneit, da ging nix voran. Da ist eine Spielerin ausgestiegen und hat auf der Autobahn einen Schneeengel gemacht.“

Überraschungsparty zum Abschied

Beeindruckt habe ihn auch die Überraschungsparty, die Bundesliga-Trainer Patrick Unger und dessen Frau Jenny für ihn Ende Mai organsierten. „Ich habe überhaupt nichts geahnt“, als er unter dem Vorwand, sein langjähriger Weggefährte habe den Schlüssel vergessen, in die Gaßmann-Halle gelockt wurde. „Wer alles da war … “, schwärmt Frank: natürlich aktuelle Spielerinnen von Jung bis Alt, Trainer und Vereinsmitarbeiter. Dazu ehemalige BC-Spielerinnen, die jetzt in den USA aufs College gehen und auf Heimaturlaub waren. Eine seiner ehemaligen Regionalligaspielerinnen, die schon lange nicht mehr in Marburg wohnt. Und eine langjährige Marburger Bundesligaspielerin und potenzielle Olympiateilnehmerin. Viele andere schickten Videogrüße.

„Wenn du Spielerinnen und Spieler von der Schul-AG bis in die Regionalliga, vom Mini-Turnier bis in die Bundesliga, wenn du Persönlichkeiten in ihrer Entwicklung begleitest, und wenn du siehst, dass bei ihnen etwas hängengeblieben ist“, dann sei das schon schön, sagt der ehemalige BC-Trainer. Das mache die langfristige Arbeit für ihn aus.

Am 22.04.2021 gewann Frank seine vierte Bronzemedaille als Co-Trainer unseres Bundesliga-Teams. Foto: Stefan Tschersich

Aber man werde mit der Zeit ein bisschen betriebsblind, sagt der 53-Jährige: „Mal wieder neue Impulse zu kriegen, neue Ideen mitzunehmen, tut mir sicher ganz gut. Und vielleicht tut es auch dem Basketball in Marburg ganz gut, wenn jemand neues reinkommt und neuen Schwung gibt.“

Patrick Unger: „Wir als Verein, aber auch ich ganz persönlich bin Frank unglaublich dankbar, was er für uns und für mich getan hat. Frank ist ein Mensch, auf den man sich immer verlassen kann, und der sich immer über das übliche Maß hinaus und immer im Sinn der Sache engagiert. Ich wünsche ihm nur das Beste, bin aber genauso glücklich, dass er dem hessischen Damenbasketball durch seine Tätigkeit erhalten bleibt. Jede Athletin und jeder Trainier und Trainerin, die in Zukunft mit ihm arbeiten dürfen, sollten sich glücklich schätzen.“

Oliver Pohland (BC-Präsident): „Auch im Namen des gesamten BC Marburg möchte ich mich bei Frank Arnold sehr herzlich für seine engagierte und erfolgreiche Arbeit in den letzten 18 Jahren bedanken. In Frank Arnold verlässt ein Urgestein den BC Marburg, der viele Jahrgänge von jungen Spielerinnen und Spielern prägte. Nicht zu vergessen ist sein Engagement weit über den sportlichen Bereich hinaus. Wir freuen uns, dass Frank Arnold eine neue wichtige Aufgabe im hessischen Basketball übernimmt und wünschen ihm für seine Zukunft nur das Beste.“

Wiedersehen in Marburg versprochen

An diesem Wochenende (6. und 7. Juli) betritt Frank erstmal als HBV-Coach die Sporthalle, in der er unzählige Stunden als BC-Trainer verbracht hat: In Marburg betreut er einen Lehrgang des E-Kaders der 2012er-Mädchen.

Danach geht es für den 53-Jährigen zwei Wochen in Urlaub – „ein bisschen Abstand kriegen“, wie er sagt. Ab dem 25. Juli steht dann in Alsfeld ein Jugendcamp des Verbandes an. Eine Woche später in Rotenburg/Fulda. Dann gehen die Vorbereitungen fürs Bundesjugendlager in die Endphase.

Demnächst steht für Frank der Umzug nach Frankfurt an. Ob man ihn nochmal in Marburg sieht? Zumindest werde er es sich „nicht verkneifen können, mir die Spielerinnen, mit denen ich fünf Jahre lang gearbeitet habe, hin und wieder anzuschauen“.

Und auch die Fans des Pharmaserv-Teams dürfen sich auf ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Co-Trainer freuen: „Ich habe die letzten Monate mit Lena Graf gearbeitet, damit sie nach ihrer Verletzung wieder fit wird. Jetzt will ich auch sehen, dass sie spielt“, sagt Frank Arnold und schmunzelt.

 

(Text: Marcus Richter, Titelfoto: Laackman/PSL)