2. DBBL: Tränen, Haka, Overtime – ein FINAL4, das bleibt
Finaltag
Foto: Dominik Maier
Es gibt Turniere, die sind vergessen, noch bevor das Auto den Parkplatz verlässt – und dann gibt es solche wie dieses FINAL4. Zwei Tage, vier Teams, eine Halle, die sich von Spiel zu Spiel mehr gefüllt und aufgeladen hat – und Basketball, der unter die Haut gegangen ist. Wer am Sonntag in der Sporthalle am Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen dabei war, wird das so schnell nicht vergessen.
Spiel um Platz 3: Göttingen dreht ein Spiel, das schon verloren schien
Das erste Spiel des Tages hätte ein ruhiges Vorprogramm sein können. Es wurde etwas anderes: ein Comeback, das die Halle aufgeweckt hat wie ein Weckruf. Heidelberg startete stark in das Spiel um Platz drei, führte nach dem ersten Viertel mit 21:18 und baute den Vorsprung im zweiten Abschnitt weiter aus – zur Halbzeit stand es 46:36, zehn Punkte Rückstand für die Gastgeberinnen. Göttingen saß das Spiel vom Vorabend noch sichtlich in den Knochen.
| Team | Q1 | Q2 | Q3 | Q4 | Total |
|---|---|---|---|---|---|
| BG74 Veilchen Göttingen | 18 | 18 | 28 | 12 | 76 |
| BasCats USC Heidelberg | 21 | 25 | 16 | 8 | 70 |
Dann kam das dritte Viertel. Sophia Phillips übernahm das Kommando, die Göttinger Defense erwachte, und plötzlich war aus dem -10 ein knappes Führungsplus für die Gastgeberinnen geworden: 28:16 im dritten Abschnitt, ein Lauf, der die Halle entfachte. Im Schlussviertel verwalteten die Veilchen Ladies die Führung und brachten den Sieg ins Ziel – 76:70. Dritter Platz. Vor eigenem Publikum. Ein schöner Abschluss für ein Team, das an diesem Wochenende alles gegeben hat.
Für Heidelberg endete das Wochenende mit dem vierten Platz – nach einer Serie, die am Vortag im Halbfinale gegen den späteren Meister Leverkusen bis in die zweite Halbzeit offen war, und nun diesem Fight bis zuletzt. Keine Schande. Überhaupt keine.
Ein Haka für Heidelberg – der emotionalste Moment des Wochenendes
Es gibt Momente, die keine Statistik erfasst. Einer davon ereignete sich bei der Siegerehrung. Die BasCats USC Heidelberg hatten sich aufgestellt für ein Mannschaftsfoto – vierter Platz, keine Medaille. Enttäuschung in den Gesichtern der Spielerinnen. Doch dann trat plötzlich Cieran Anderson, Athletiktrainer der Heidelbergerinnen und gebürtiger Neuseeländer, vor die Gruppe und führte für sein Team einen Haka auf.
Der Haka ist ein zeremonieller Tanz der Māori – des indigenen Volkes Neuseelands – und weit mehr als nur eine Choreografie. Er ist Ausdruck von Stärke, Einheit und tiefem Respekt. Weltweit bekannt durch die neuseeländischen All Blacks, wird er bei Hochzeiten, Beerdigungen und wichtigen Lebensmomenten aufgeführt. Wer in der Māori-Tradition aufgewachsen ist, weiß: Ein Haka wird nicht leichtfertig aufgeführt. Es ist eine bewusste Wahl – für wen, und für welchen Moment.
Anderson wählte genau diesen Moment. Für seine Mannschaft. Das gesamte Team fand sich tief berührt wieder. Keine Medaille für Heidelberg bei dieser Siegerehrung – aber diese besondere Auszeichnung. Leer ausgehen sieht anders aus.
Das Finale: Leverkusen gewinnt – aber Bochum kämpft bis zur letzten Sekunde
Wer dachte, das Spiel um Platz drei wäre die emotionale Erschöpfung des Tages, wurde eines Besseren belehrt. Das Finale zwischen den WINGS Leverkusen und den VfL VIACTIV-AstroLadies Bochum war kein Basketball-Spiel. Es war ein Drama in fünf Akten – 10 Führungswechsel, sechs Mal Gleichstand, und ein Spiel, das sich über 45 Minuten nie so richtig entscheiden wollte.
Leverkusen startete dominant – 20:12 nach dem ersten Viertel, alles scheinbar im Griff. Dann kam das zweite Viertel. Bochum explodierte förmlich: 33:16 für die AstroLadies in zehn Minuten, ein Lauf, der die Partie auf den Kopf stellte. Den letzten Punkt des Viertels setzte Laura Barroso-Perez – ein Dreier 13 Sekunden vor der Halbzeitpause. Bochum ging mit 45:36 in die Kabine. Was war da gerade passiert?
| Team | Q1 | Q2 | Q3 | Q4 | OT | Total |
|---|---|---|---|---|---|---|
| WINGS Leverkusen | 20 | 16 | 18 | 14 | 12 | 80 |
| AstroLadies Bochum | 12 | 33 | 10 | 13 | 10 | 78 |
Leverkusen antwortete im dritten Viertel mit demselben Mittel: Fokus, Defense, Struktur – 18:10 und die Führung zurück. Das vierte Viertel war zermürbend eng. Bei 68:68 ging es in die Verlängerung. Overtime im Finale. Die Halle stand.
Und auch in der Overtime ließ Bochum nicht locker. Doch Leverkusen hatte die kältesten Nerven: Natalie Villaflor traf bei 4:20 einen Dreier, Kendra Parra legte bei 3:10 nach – ebenfalls von der Dreierlinie. Zwei Würfe, die das Spiel mit entschieden. Endstand 80:78. Meister.
Tessa Brugler war das Herz dieser Leverkusener Mannschaft – 24 Punkte, 12 Rebounds, ein Double-Double in einem Finale, das über 45 Minuten ging. Zu Recht wurde sie als Finals MVP ausgezeichnet. Kendra Parra steuerte 18 Punkte und sechs Assists bei. Natalie Villaflor traf vier Dreier – 44,4 % – und war in entscheidenden Momenten immer wieder zur Stelle. Das ist Meisterklasse.
Bochum: Silber, Tränen – und ein Zeichen für die Zukunft
Nach dem Schlusspfiff flossen Tränen bei den AstroLadies. Das ist Basketball. 33:16 im zweiten Viertel, die Halbzeitführung, die Overtime – und am Ende doch verloren. Das tut weh.
Aber dann, wenige Minuten später, feierten die Bochumerinnen. Laut. Mit einer Energie, die sich den ganzen Nachmittag aufgestaut hatte. Silber nach einer Saison mit Höhen und Tiefen, nach Spielen, in denen Bochum nicht immer als Favorit galt – und doch im Finale stand. Gegen den Serienbesten der Liga.
Was bei Bochum in dieser Saison auffällt, geht über das Ergebnis hinaus. Laura Knaup, 17 Jahre, Nationalspielerin – traf im Finale zwei Dreier und war in der Defense ein ständiger Unruheherd. Marija Ilic, 19 Jahre, ebenfalls im Nationalkader – spielte fast 40 Minuten, organisierte, kämpfte, verteilte 13 Punkte und sechs Assists. Lena Bjeltschik, 17 Jahre, Nationalspielerin – lieferte über knapp 25 Minuten starke Defensivarbeit im Finale. Das sind keine eingekauften Lösungen. Das sind entwickelte Spielerinnen. Das ist Nachwuchsförderung, wie sie sein soll.
Danke Göttingen!
Ein FINAL4 wird durch viele Menschen getragen, die niemand auf dem Feld sieht. Die Helferinnen und Helfer in Göttingen haben an diesem Wochenende dafür gesorgt, dass alle Teams, Coaches und Gäste gut versorgt waren – mit Essen, Trinken und dem Gefühl, willkommen zu sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und dafür gebührt ihnen ein aufrichtiges Dankeschön.
Natürlich haben die Veilchen Ladies selbst dem Wochenende eine besondere Note gegeben – als Gastgeberin und als Team, das vor eigenem Publikum bis zuletzt alles gegeben und am Ende Bronze gewonnen hat. Diese Halle hat zwei Tage lang mitgeatmet.
Basketball kann grausam sein. Und wunderschön. Oft beides in derselben Partie. Göttingen hat das an diesem Wochenende gesehen. Wer dabei war, wird es nicht so schnell vergessen.
Eine letzte Zahl, die das Wochenende vielleicht besser beschreibt als alles andere: Drei von vier Spielen endeten mit genau zwei Punkten Unterschied. Das gesamte Turnier trennte alle vier Teams in der Summe um gerade mal zwölf Punkte. So eng war dieses FINAL4.
Herzlichen Glückwunsch an die WINGS Leverkusen zum verdienten Meistertitel 2026 in der Toyota 2. DBBL. Respekt an alle vier Teams, alle Fans, alle Trainerinnen und Trainer, alle Verantwortlichen – für ein Wochenende, das dem Damen-Basketball in Deutschland gut zu Gesicht steht.