Zu verkrampft und schlecht umgeschaltet
Mit einer Enttäuschung endet das Zweitligaspiel des ASC Mainz bei den Bamberg Baskets: Statt sich vom punktgleichen Tabellennachbarn abzusetzen, unterliegen sie mit 59:67.
Bamberg. Der Spielverlauf ähnelte zunächst dem der Regionalligamänner einen Tag zuvor: Bei den Bamberg Baskets lagen die Zweitligaspielerinnen des ASC Mainz nach zweieinhalb Minuten mit 0:9 zurück, ehe Charlotte Kriebel der erste Treffer gelang. Es war die Initialzündung für eine Aufholjagd, die in ein 16:16 nach dem ersten Viertel mündete.
Auf Augenhöhe verliefen auch der zweite und vierte Durchgang – im dritten Viertel aber handelten die Mainzerinnen sich einen Rückstand von bis zu 16 Punkten ein, den sie nicht entscheidend zu verringern mochten. Am Ende war die Enttäuschung groß: Vom bis dahin punktgleichen Tabellennachbarn verabschiedeten sie sich nicht mit dem angestrebten vierten Saisonsieg, sondern einer 59:67 (45:55, 24:26, 16:16)-Niederlage.
„Im dritten Viertel hat unter anderem die Kanadierin Feuer gefangen“, berichtete Aron Duracak. Shooting Guard Hailey van Roekel, bis dahin nur einmal erfolgreich, trug mit zwei Dreiern und einem 2-Punkte-Wurf zur Bamberger Absetzbewegung bei. „Dabei haben wir sie in allen Situationen wirklich sehr gut verteidigt“, sagte der Mainzer Trainer, „aber sie hat diese Schüsse auch mit der Hand im Gesicht getroffen.“
Reboundnachteil gegen 1,93-Frau
Mathematisch betrachtet, ließ sich die Niederlage auf die Leistungen der jeweiligen Importspielerinnen zurückführen. „Alle Profis haben zweistellig getroffen, aber Bamberg hat drei“ – van Roekel, Faith Alston und Elise Tweedie, die zusammen 46 Punkte erzielten. Für den ASC kamen Taylor Golembiewski und Jordan Barron in der Summe auf 39 Zähler. „Diesen Unterschied konnten wir leider nicht an anderer Stelle wettmachen.“
Hinzu kam die körperliche Unterlegenheit, die sich vor allem bei den Rebounds gegen die 1,93 Meter große Tweedie bemerkbar machte. Fünfzehn Abpraller griff sich die Britin, davon zehn in der Offensive. Nicht, dass der ASC ein grundsätzliches Reboundproblem hätte, Alina Dötsch steht in dieser Statistik ligaweit an fünfter Stelle. 13 Zentimeter weniger aber lassen sich nicht wegdiskutieren. „In solchen Fällen rächt es sich, dass wir keine echte Fünf haben“, sagte Duracak.
Letztlich jedoch machte er den Ausgang der Partie an einem anderen Aspekt fest, an einem, der weniger mit den Gegnerinnen zu tun hatte. „Es lag an uns selbst, wir waren zu verkrampft.“ Obwohl es ihnen nach dem schwachen Beginn gelungen sei, sich zurückzuarbeiten, hätten seine Frauen nicht als Team gespielt.
In zweierlei Hinsicht zu viel Druck gemacht
„Zu viele Einzelaktionen, schlechte Körpersprache nach fast jedem Fehler, und das Umschalten von Offensive auf Defensive hat nicht im Kollektiv funktioniert“, monierte der Coach. „Von daher hatten wir Glück, dass Bamberg viele offene Würfe nach Fastbreaks nicht genutzt hat, sonst wäre die Niederlage um einiges höher ausgefallen.“
Eine gewisse Nervosität habe sich durch die gesamte Mannschaft gezogen, „vor allem den jungen Spielerinnen die uns zuletzt so viel Energie von der Bank gegeben haben, sind viele Fehler unterlaufen, und sie haben die Anweisungen nicht befolgt“. Zum Beispiel, indem sie hart auf Gegnerinnen draufgingen und sie foulten, auf die sie weniger Druck ausüben sollten.
Apropos: „Ich glaube, wir haben uns selbst zu viel Druck gemacht“, sagte Duracak, „weil wir unbedingt gewinnen wollten, um uns auch von Bamberg abzusetzen.“ Die Marschroute lautete, so zu verteidigen wie beim Tabellenführer in Bad Homburg und gegen den MTV Stuttgart. „Dann hätten wir gewonnen. Leider haben wir das nicht getan.“
Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Unterstützung von SPORT AUS MAINZ.
Fotos: Nora Hummel
