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2. Bundesliga Süd

„Sie lag doch schon am Boden…“

verfasst von mainz@dbbl.de

Am Ende fehlen Nuancen: Die Zweitligabasketballerinnen des ASC Mainz unterliegen in ihrem bislang besten Saisonspiel dem USC Freiburg II mit 73:74. Der entscheidende Treffer fällt mit dem letzten Angriff auf kuriose Weise.

Mainz. Das Ding war durch. Fünf Sekunden noch musste der ASC Mainz überstehen, um die knappe Führung ins Ziel zu retten. Und fünf Sekunden blieben Julia Leiner für den letzten Angriff des USC Freiburg II. Beim Stand von 73:72 ging es für die Gastgeberinnen nur noch darum, die Gäste nicht mehr zu einem kontrollierten Abschluss kommen zu lassen. Was dann passierte, war „das Verrückteste, was ich je erlebt habe“, sagte Taylor Golembiewski später. „Sie lag doch schon am Boden…“

In der Tat: Leiner strauchelte, fiel hin, verlor den Ball kurz aus den Händen und wertvolle Zeit. Doch sie rappelte sich wieder auf, zog zum Korb – und legte den Ball hinein. Im nächsten Moment ertönte die Schlusssirene. Und die Mainzerinnen hatten ein Spiel verloren, das sie zwar nicht zu einem „Must-win-Game“ stilisiert hatten, das sich aber die meiste Zeit über wie ein „Should win“ anfühlte.

„Das war unser bislang bestes Saisonspiel“, lautete das einhellige Urteil der US-amerikanischen Ausnahmespielerin und ihres Trainers. „Nach einer solchen Leistung mit einem Punkt Unterschied zu verlieren, ist sehr enttäuschend“, ergänzte Aron Duracak. „Das tut mir sehr leid für die Mädels, sie hätten es so sehr verdient gehabt zu gewinnen.

Aktionen wie aus einem Guss

Was die Mainzerinnen in der ersten Halbzeit aufs Feld brachten, kam der Idealvorstellung der Coaches sehr nahe. Sie verteidigten aufmerksam und als Team, vor allem die mit 29 Punkten und einer zweistelligen Anzahl Assists (eine detaillierte Statistik, herausragende Golembiewski fing etliche Freiburger Pässe ab. Nach Ballgewinnen schlossen sie ihre Fastbreaks erfolgreich ab, und ihre Systeme liefen sie so konsequent wie in keiner der vorangegangenen Begegnungen.

Dabei sprangen viele sehenswerte Abschlüsse heraus. Zum Beispiel Alina Dötschs Korbleger, nachdem sie Sanata-Lea Ouedraogo ausgetanzt hatte. Oder Alina Kraus‘ Anspiel in Golembiewskis Lauf zum 20:9, Dötschs Rückhandpass auf die Amerikanerin zum 22:11. Von hinten bis vorne gerieten die ASC-Aktionen wie aus einem Guss.

„Wir haben wirklich sehr, sehr guten Basketball gespielt“, sagte Golembiewski. „Darauf und auf den Kampf, den wir abgeliefert haben, können wir stolz sein.“ Kleine Einschränkung: „Wir müssen es schaffen, das über 40 Minuten hinzubekommen. Leider hatten wir kein gutes drittes Viertel.“

Wagner tut dem ASC weh

Zwar hatte der ASC bereits den zweiten Durchgang abgegeben, allerdings nur mit einem Punkt und auf nach wie vor hohem Niveau. Zwischen sechs und zehn Zählern pendelte der Vorsprung die meiste Zeit, nur einmal wurde es eng: als Katharina Gallinger für den USC per Dreier auf 38:36 verkürzte (18.). Jordan Barron, Golembiewski und Dötsch bauten die Führung zur Pause wieder auf acht Punkte aus.

Nach dem Seitenwechsel war der Spielfluss gestört, bis zum ersten Treffer vergingen zwei Minuten, danach schossen die Kontrahentinnen einander ein paar Dreier um die Ohren: Viktoria Wieczoreks 46:39 konterte Charlotte Kriebel mit dem nächsten Angriff zum 49:39, Stephanie Wagner schoss zurück (49:42), was ihr Mitte des Viertels auch neun Sekunden nach Golembiewskis nächstem Drei-Punkte-Wurf auf die gleiche Weise gelang (54:49).

Sucht man nach Gründen dafür, dass der ASC die Partie noch aus den Händen gab, war Wagner ein wesentlicher. Die 91-malige Nationalspielerin „hat exorbitant gut getroffen“, wie Duracak anerkannte, nicht nur aus der Distanz, sondern auch mit sechs von sieben Versuchen von der Freiwurflinie tat sie den Mainzerinnen weh

Die wiederum fielen in alte Muster zurück, liefen ihre Systeme nicht mehr sauber zu Ende, sondern suchten ihr Glück überhastet in Schüssen von jenseits der Linie oder hofften auf ihre Topscorerin. „Immer wieder Taylor den Ball zu geben und die Daumen zu drücken, dass sie punktet, ist der falsche Ansatz“, monierte der Trainer. „Hinzu kam, dass wir es den Freiburgern auf diese Weise einfacher gemacht haben, bissig zu verteidigen.“

Erstmals in Rückstand geriet der ASC in der 32. Minute, als Karla Gergelova einen Bonusfreiwurf zum 56:57 verwandelte. Die Gefahr einer Niederlage jedoch schien spätestens gebannt, als Kriebel mit ihrem vierten Dreier das 71:62 erzielte. Zu spielen waren noch zwei Minuten und fünfzehn Sekunden. „Das müssen wir dann auch nach Hause bringen“, sagte Duracak.

Dass Alina Dötsch (1/4) und Jordan Barron (1/2) in der kritischen Phase vier Freiwürfe ungenutzt ließen, war ein weiteres Mosaiksteinchen dafür, dass die Partie im allerletzten Moment kippte. Und was war mit dem letzten Angriff?

Besser früher foulen

Dass es nicht gelang, Leiner zu einem schwierigen Wurf zu zwingen, war ärgerlich. Mit etwas Abstand aber reifte in Aron Duracak die Erkenntnis, dass sein Team an einem früheren Punkt hätten ansetzen sollen. Nämlich 39 Sekunden vor Schluss nach einer USC-Auszeit beim Stand von 72:69.

„Wir hätten foulen und eine Gegnerin an die Freiwurflinie holen sollen“, sagte der Trainer. „Aber ich war mir sicher, dass wir den Angriff verteidigen können, ohne einen Dreier zu fangen“ – den aber traf Ouedraogo. „Am Ende waren die Freiburger einen Tick cleverer als wir.“

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Unterstützung von SPORT AUS MAINZ.

Fotos: Stephan Hahne

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