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2. Bundesliga Süd

Jung zu sein, sollte niemals verhindern, Minuten zu bekommen

verfasst von stuttgart@dbbl.de

Edgars Ikstens, neuer Headcoach von Lou‘s Foodtruck MTV Stuttgart, über Nachwuchsentwicklung, klare Strukturen und seine Vision für den MTV Stuttgart

Mit Edgars Ikstens startet der Lou’s Foodtruck MTV Stuttgart mit einem neuen Headcoach in die Saison 2026/27. Der 41-jährige Lette bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung aus dem Frauen-, Jugend- und Leistungsbasketball in Lettland und Deutschland mit. Besonders die Entwicklung junger Spielerinnen steht im Mittelpunkt seiner Arbeit: Ikstens möchte die bereits vorhandenen Strukturen in Stuttgart nutzen, weiterentwickeln und Spielerinnen Schritt für Schritt an höhere Leistungsniveaus heranführen.

Frage: Edgars, neuer Verein, neues Team, neue Saison: Was sind deine ersten Eindrücke von der Mannschaft und dem Umfeld – und worauf freust du dich in der neuen Saison besonders?

Ich habe bereits die meisten Spielerinnen kennengelernt und mit ihnen individuelle Gespräche geführt. Mein erster Eindruck basiert also auf mehr als nur Basketball.

Was mir besonders gefällt, ist, dass viele sehr ehrlich damit umgehen, wo sie sich verbessern möchten. Die meisten sind wirklich bereit, Arbeit zu investieren. Sie wollen bessere Basketballspielerinnen werden und herausfinden, wo ihre Grenzen liegen und wie weit sie diese verschieben können.

Auch im Umfeld gibt es eine klare Richtung, wenn es um Spielerentwicklung geht. Die Arbeit ist strukturiert und gut organisiert. Diese Richtung wollen wir weitergehen und nicht alles verändern, nur weil ein neuer Trainer da ist.

Am meisten freue ich mich darauf zu sehen, ob wir diese individuellen Ambitionen in etwas Gemeinsames verwandeln können. Ich glaube, Selbstvertrauen entsteht durch Arbeit. Wenn die Spielerinnen selbstbewusster und konstanter werden und gleichzeitig lernen, sich aufeinander zu verlassen und sich gegenseitig zu fordern, können wir eine sehr interessante Mannschaft werden.

Frage: Du sprichst viel von Entwicklung. Welche Art von Basketball möchtest du mit deinem Team spielen?

Offensiv wollen wir für den besten Wurf spielen und nicht einfach für den ersten verfügbaren Abschluss. Manchmal bedeutet das einen Pass, manchmal fünf. Wichtig ist, dass wir verstehen, wo unser Vorteil liegt, gute Entscheidungen treffen und füreinander spielen.

Defensiv muss Einsatz etwas sein, auf das wir uns jeden Abend verlassen können.

Wir wollen auch taktisch flexibel sein. Basketball ist ein Spiel von Matchups und Problemen, für die man Lösungen finden muss. Nicht jeder Gegner braucht die gleiche Antwort, und wir wollen keine Mannschaft sein, die nur auf eine Art spielen kann.

Gleichzeitig soll jede Spielerin wichtig sein. Die Rollen werden unterschiedlich sein, aber jede Spielerin soll verstehen, warum sie für die Mannschaft wichtig ist.

Wenn die Leute nach den ersten Spielen sagen: „Sie spielen wirklich füreinander, sie arbeiten hart und lassen alles auf dem Feld“, dann wäre ich damit sehr zufrieden.

Frage: Welche Ziele hast du für die Mannschaft – und woran würdest du am Ende der Saison festmachen, dass ihr einen erfolgreichen Weg gegangen seid?

Ich bin ehrgeizig, also möchte ich natürlich so viele Spiele wie möglich gewinnen. Aber ich glaube nicht, dass man im August eine ganze Saison mit nur einer Zahl in der Tabelle definieren kann.

Siege sind wichtig. Aber es gibt viele andere Möglichkeiten zu messen, ob sich eine Mannschaft und einzelne Spielerinnen wirklich verbessern.

Wir werden verschiedene Leistungskennzahlen und auch Advanced Stats nutzen, um unsere Entwicklung während der Saison zu verfolgen. Nicht weil Zahlen alles erklären, sondern weil sie uns zeigen können, ob unsere Richtung stimmt.

Das Gleiche gilt für die individuelle Entwicklung. Am Ende der Saison möchte ich klar erkennen, dass Spielerinnen Fortschritte gemacht haben – sei es beim Selbstvertrauen, bei der Konstanz, bei Entscheidungen, in der Verteidigung oder bei der Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen.

In der Mannschaft gibt es Ambitionen, und das gefällt mir. Aber zuerst müssen wir uns das Recht verdienen, über größere Ziele zu sprechen. Wir müssen im Training besser werden, dann von Spiel zu Spiel und schauen, wohin uns das bringt.

Frage: Du übernimmst nicht nur eine Bundesliga-Mannschaft, sondern auch Verantwortung für die Weiterentwicklung von Spielerinnen. Welche Rolle spielt die Nachwuchsarbeit in deiner Vision?

Wir wollen die Richtung weitergehen, die der Verein bereits eingeschlagen hat: Spielerinnen entwickeln, ihnen Chancen geben und ein Umfeld schaffen, in dem sie besser werden können.

Der MTV Stuttgart hat dafür bereits eine sehr gute Struktur. Es gibt einen klaren Weg und unterschiedliche Möglichkeiten für Spielerinnen, je nachdem, was sie in ihrer Entwicklung brauchen.

Ein Beispiel ist die athletische Entwicklung. Die Bedingungen, die wir gemeinsam mit unserem Athletiktrainer und unserer Infrastruktur bieten können, sind meiner Meinung nach extrem gut. Es gibt sogar Vereine in der 1. Bundesliga, die in diesem Bereich nicht die gleichen Möglichkeiten anbieten können.

Auch die 2. Bundesliga ist eine gute Plattform für Entwicklung. Das Niveau ist hoch genug, um Spielerinnen zu fordern und sie auf den nächsten Schritt in Richtung Profibasketball vorzubereiten. Gleichzeitig können wir zusätzliche Spielminuten in der Regionalliga ermöglichen, wenn eine Spielerin diese für ihre Entwicklung braucht.

Für mich muss Entwicklung natürlich entstehen. Sie darf nicht erzwungen werden. Nur jung zu sein, sollte keine Minuten garantieren. Aber jung zu sein, sollte auch niemals verhindern, dass eine Spielerin Minuten bekommt, wenn sie bereit dafür ist.

Alles muss verdient werden. Wenn eine Spielerin arbeitet, sich entwickelt und beginnt, ihr aktuelles Niveau zu übertreffen, müssen wir ihr die nächste Herausforderung geben.

In den kommenden Jahren möchte ich, dass wir regelmäßig Spielerinnen entwickeln, die um Plätze in deutschen Jugendnationalmannschaften kämpfen. Zudem sollen Spielerinnen aus unserem Programm den Schritt an ein College, auf ein höheres professionelles Niveau oder zu einer wichtigen Rolle in unserer eigenen Bundesliga-Mannschaft schaffen.

Die Basis ist bereits sehr gut. Jetzt geht es für uns alle darum, Arbeit zu investieren und darauf weiter aufzubauen.

Frage: Eine ungewöhnliche Frage: wenn du für einen Tag König des deutschen Basketballs wärst: Welche Regel würdest du ändern?

Ich würde ein System schaffen, das Vereine belohnt, die junge Spielerinnen wirklich entwickeln.

Ich würde Vereine, die einen anderen Weg gehen, nicht unbedingt bestrafen. Im deutschen Basketball gibt es viele Vereine mit unterschiedlichen Geschichten, Traditionen und Voraussetzungen. Ich glaube mehr an positive Anreize.

Aber man müsste Entwicklung auch richtig definieren. Eine junge Spielerin auf dem Spielberichtsbogen zu haben, ist noch keine Entwicklung. Ihr zwei Minuten zu geben, wenn ein Spiel bereits entschieden ist, ist für mich ebenfalls keine wirkliche Entwicklung.

Spielerinnen werden nicht auf dem Boxscore entwickelt. Sie entwickeln sich durch gutes Training, Verantwortung, Fehler und echte Minuten auf dem Feld.

Wenn ein Verein dauerhaft Zeit und Ressourcen in diesen Prozess investiert und Spielerinnen für höhere Levels entwickelt, sollte dieser Verein meiner Meinung nach auch davon profitieren.

Frage: Basketball besteht aus Taktik, Training und harter Arbeit – aber auch aus Emotionen. Was sollten deine Spielerinnen abseits des Feldes über dich wissen?

Wahrscheinlich, dass ich viel entspannter bin, als ich manchmal an der Seitenlinie aussehe.

Ich mag guten Kaffee, gutes Essen und gute Menschen. Menschen, die über sich selbst lachen können und mit denen man auch ein gutes Gespräch führen kann.

In der Halle kann ich sehr fordernd sein, aber wenn ein Training oder ein Spiel vorbei ist, dann ist es vorbei.

Ich glaube, eine Mannschaft funktioniert besser, wenn Menschen das, was sie tun, ernst nehmen können, ohne die ganze Zeit selbst zu ernst zu sein.

Der Blick geht jetzt nach vorne

Mit diesen Prinzipien startet Edgars Ikstens in seine erste Saisonvorbereitung in Stuttgart. Die kommenden Wochen werden dabei vor allem eines bringen: intensive Trainingseinheiten, neue Abläufe, viele Wiederholungen und die tägliche Arbeit daran, aus individuellen Spielerinnen eine Mannschaft zu formen.

Denn eines ist für den neuen Headcoach klar: Entwicklung beginnt nicht mit dem ersten Spiel, sondern mit der Arbeit, die jeden Tag davor geleistet wird.

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