Für solche Aufgaben gemacht
Dickes Polster fürs zweite Duell: Charlotte Kriebel überwindet im vielleicht wichtigsten Saisonspiel des ASC Mainz ihre Formschwäche und führt die Mannschaft mit 24 Punkten zum 82:57 bei den Dillingen Diamonds.
Dillingen. Der Boden für ein weiteres Jahr in der Zweiten Bundesliga ist bereitet. Die Basketballerinnen des ASC Mainz haben ihn selbst verlegt – mit einem 82:57 (56:48, 38:34, 18:22)-Erfolg im ersten Play-down-Spiel bei den Dillingen Diamonds. Dabei überraschte weniger der Sieg an sich, immerhin hatten die Mainzerinnen auch beide Hauptrundenduelle für sich entschieden, als das Zustandekommen.
Topscorerin war nämlich nicht wie gewohnt Taylor Golembiewski, sondern mit 24 Punkten Charlotte Kriebel. „Unfassbar, was sie mit ihren 19 Jahren auspackt und in einem so wichtigen Spiel aufs Feld zaubert“, schwärmte Sportvorstand Dominique Liggins. „Charly ist genau für solche Aufgaben gemacht. Fernando Barron und ich haben ihr hinterher eine symbolische Krone aufgesetzt.“
Kriebels Performance war umso erstaunlicher, als die Aufbauspielerin seit einiger Zeit, auch bedingt durch eine Knieverletzung, auf der Suche nach ihrer Form war. Ihr Punkteschnitt lag über die gesamte Saison betrachtet bei rund sechs Zählern.
Viel Anlaufzeit benötigt
Aron Duracak hatte sie unter der Woche zur Seite genommen. „Ich habe ihr gesagt, dass ich sie in Dillingen brauche“, berichtete der Trainer. „Dass ich sie nach den Leistungen und ihrer Körpersprache in der letzten Zeit eigentlich nicht starten lassen kann, dass ich es aber will, weil sie einer meiner Lieblingsspielerinnen ist, seit sie 15 ist.“
Kriebel habe ihm versprochen, ihn nicht zu enttäuschen. „Und sie hat ihr Versprechen gehalten.“ Nicht nur aus der Distanz traf sie, sondern ging auch aggressiv zum Korb, scheute keinen Körperkontakt, zog Freiwürfe. Obendrein habe sie ihre Fähigkeit eingesetzt, die Mitspielerinnen mitzureißen – all dies war umso wichtiger, als es bei Taylor Golembiewski an diesem Tag nicht so rund lief wie üblich.
Gleichwohl benötigten die Mainzerinnen viel Anlaufzeit gegen einen ohne Amerikanerinnen angetretenen Gegner – von einer hatte sich der Klub bereits getrennt, die andere hatte sich, wie Duracak berichtete, im Training die Hüfte gebrochen – ihre Überlegenheit zum Ausdruck zu bringen. „Vorne haben wir über die gesamte Spieldauer unser Ding gemacht, aber anfangs viel Wurfpech gehabt, auch einfache Abschlüsse und Freiwürfe danebengelegt“, sagte der Trainer.
Schlecht kommuniziert
Das kann passieren. Ärgerlicher war, dass seine Frauen in der ersten Halbzeit defensiv nicht so arbeiteten wie besprochen. Zu passiv hätten sie sich gegen das Dillinger Pick and Roll verhalten, statt aggressiv zu switchen, was den Gastgeberinnen viele einfache Punkte ermöglichte. „Wir haben schlecht kommuniziert“, monierte Duracak.
Davon profitierten vor allem Myrielle Platte-Behnke und die zu Saisonbeginn kurzzeitig für den ASC tätige, dann aber nach Dillingen zurückgekehrte Fee Zimmermann. Mit 21 beziehungsweise 17 Punkten waren sie die erfolgreichsten Schützinnen der Diamonds. „Von außen sah es aus, als hätte wir Angst, im Drive zum Korb geschlagen zu werden“, sagte Dominique Liggins, der das Team mit einer rund 30-köpfigen Fangruppe unterstützte. „Aber Angst ist ein schlechter Berater.“
Rehders stoppt die Topschützin
Hätte sich der ASC in der Verteidigung nicht gefangen, wäre es wohl bis zum Schluss ein ganz enges Spiel geblieben. Doch Duracaks Bemühungen in der Halbzeitpause, die Mannschaft auf eine konsequente Defense einzuschwören, fruchteten. Svea Rehders zum Beispiel engte fortan Platte-Behnkes Kreise entscheidend ein, Alina Dötsch, die bei ihren 16 Rebounds auch nicht dadurch einschüchtern, dass bis zu drei Gegenspielerinnen sie attackierten.
„Und Jordan Barron hat erneut bewiesen, dass auf sie Verlass ist, nicht nur wegen ihrer 18 Punkte“, sagte Liggins. „Gerade bei den Amerikanerinnen achtet man ja vor allem auf die offensiven Statistiken, aber was Jordan alles wegverteidigt hat, gerade in der Switch-Defense, war herausragend.“
Nach Fehlwürfen umgeschaltet
Je öfter die Mainzerinnen ihre Gegnerinnen zu schwierigen Aktionen zwangen, desto mehr Fehlwürfe produzierten die Diamonds. „Mit jedem ihrer Fehlwürfe konnten wir schneller umschalten, jetzt haben wir auch besser getroffen, und von Punkt zu Punkt ist unser Selbstbewusstsein gewachsen.“ Eine solche Entwicklung hatte der Coach dem Team in der Pause prognostiziert. „In der ersten Halbzeit hatten wir sechs, sieben offene Korbleger nicht genutzt, hätten wir fünf davon gemacht, wären es vierzehn statt vier Punkte Vorsprung gewesen.“ Als später die Würfe fielen, wurden es deren 25.
Zum Vergleich: Vor einem Jahr stand der ASC nach dem Hinspiel gegen die Rhein-Main Baskets bei plus 14. „Das ist jetzt ein schönes Polster“, sagt Liggins, warnt aber sogleich davor, sich darauf ausruhen zu wollen. „Wir haben direkt gesagt, dass wir alles auf null setzen und das Rückspiel so angehen, als ob wir es gewinnen müssen.“
Den Vorsprung am Samstag (19 Uhr) noch aus der Hand zu geben, hält Aron Duracak zwar für unwahrscheinlich, doch auch er mahnt, sich keine Nachlässigkeiten zu erlauben. „Wir wollen uns erst gar nicht in die Situation bringen, dass die Dillinger womöglich drei Dreier hintereinander schießen und heißlaufen.“
Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Unterstützung von SPORT AUS MAINZ.
Foto: Stefan Bost – Diamonds Dillingen