Ein Dutzend Punkte als Basis
Die zurückhaltende Arbeit der Schiedsrichter und eine Vielzahl gegnerischer Dreier hätte die Zweitligabasketballerinnen des ASC Mainz zu Saisonbeginn aus dem Tritt gebracht. Der 70:59-Erfolg bei den Dillingen Diamonds deutet darauf hin, dass die Mannschaft gefestigt ist und selbst Taylor Golembiewskis vergleichsweise geringe Ausbeute wegsteckt.
Dillingen. Alltäglich ist es nicht, dass einer Mannschaft zwölf Punkte in einem Viertel genügen, um sich den letztlich entscheidenden Vorsprung zu erspielen. Nicht zwölf Punkte in einem kurzen Lauf, wohlgemerkt, sondern innerhalb der gesamten zehn Minuten. Genau dies war in der Zweitligapartie des ASC Mainz bei den Dillingen Diamonds der Fall – weil die Gäste im selben Zeitraum nur drei Punkte zuließen, bildete dies die Grundlage für ihren 70:59 (52:39, 40:36, 18:20)-Erfolg.
„Das hatten sie gar nicht realisiert“, berichtete Aron Duracak, „erst als ich hinterher in der Kabine angemerkt habe, dass wir schon sehr stark in der Defense sind. Das hat für ein paar Lacher gesorgt.“
Weniger erheiternd fanden die Mainzerinnen zunächst die lange Leine, die das Schiedsrichtergespann den Spielerinnen ließ. Lediglich acht Fouls pfiffen die Referees gegen den ASC, die Hälfte entfiel auf Alina Dötsch, vierzehn gegen die Diamonds. Und das nicht etwa, weil die Akteurinnen vorab ein Friedenabkommen geschlossen hätten.
Topscorerin hadert mit Referees
„Die haben sehr, sehr viel laufen lassen“, sagte Duracak, „das war ein ziemliches Geschiebe und Geschubse auf dem Feld, und damit kamen wir anfangs nicht klar.“ Zwar sei eine geringe Foulbelastung durchaus positiv, aber seine Frauen hätten ein Viertel gebraucht, um mit der gegnerischen Physis klarzukommen und entsprechend dagegenzuhalten.
Als durchweg problematisch erwies sich die zurückhaltende Pfeiferei für Taylor Golembiewski. Die beste Scorerin der Südstaffel haderte viel mit den Unparteiischen, beschwerte sich immer wieder über nicht geahndete Fouls. „Sie lebt ja auch davon, zum Korb zu ziehen und entweder abzuschließen oder Freiwürfe zu bekommen“, erläuterte der Trainer. „Diesmal gingen etliche Lay-ups daneben, weil es in der Luft einen Körperkontakt gab.“
Ihre Beschwerden brachten der US-Amerikanerin eine Verwarnung ein, zu einem Technischen Foul kam es allerdings nicht mehr. „Taylor muss lernen, mit solchen Situationen cooler umzugehen“, sagte Duracak. „Das war schließlich keine Einbahnstraße, auch unserer Defense haben die Schiris viel durchgehen lassen.“
Trio mit Double-Double
Die Konsequenz daraus, dass Golembiewski mehr mit den Schiedsrichtern beschäftigt war als mit sich selbst: Erst zum dritten Mal in dieser Saison blieb ihre Ausbeute unter der 20-Punkte-Marke, mit 15 Zählern musste sie sich zuletzt am dritten Spieltag bei der Klatsche in Wasserburg begnügen. Immerhin aber steuerte sie unter anderem auch 15 Rebounds und sieben Assists bei.
Und andere sprangen in die Bresche. Jordan Barron avancierte mit 20 Punkten zur Topscorerin der Partie, Alina Dötsch lag mit 13 Punkten ebenfalls weit über ihrem Schnitt – alle drei gingen im Übrigen dank ihrer Reboundstärke mit einem Double-Double vom Feld.
Die Überraschung des Tages gelang Hella Fromm. Vor der Saison aus Neuss zum ASC gewechselt, kam sie bislang allenfalls auf Kurz- und Kürzesteinsätze, mischte in Dillingen jedoch 18:30 Minuten mit und erzielte acht Punkte. „Für Hella war es eine ziemlich harte Hinrunde“, sagte Duracak, „aber sie hat kaum ein Training verpasst und zuletzt zwei sehr gute Trainingswochen absolviert.“
Fromm nimmt die Schüsse
Deshalb habe er der 20-Jährigen am Vorabend versprochen, sie als erste oder zweite Spielerin von der Bank zu bringen – ihr aber im Gegenzug das Versprechen abgerungen, selbstbewusster aufzutreten und auch Schüsse zu nehmen. Die habe Fromm bislang sogar in den Übungseinheiten verweigert und lieber einen Pass gespielt als selbst abzuschließen.
Die Ansprache wirkte: Fromm machte mit ihren ersten beiden Offensivaktionen vier Punkte, „dadurch kam sie aus sich heraus und hat auch gut verteidigt“.
Der im dritten Viertel erarbeitete Vorsprung schmolz im letzten Durchgang zwar noch mal ab; von aus dem 52:39 wurde in der 35. Minute ein 60:56. Maßgeblich betrieben Riley Hayes und Fee Zimmermann, die jeweils fünf der insgesamt vierzehn Dillinger Dreier trafen, diese Aufholjagd. Danach aber sorgte Jordan Barron mit neun Punkten dafür, dass nichts mehr anbrannte.
Fast die Ausbeute der vorigen Saison
Den Auswärtssieg werten die Mainzer auch als Beleg für die Weiterentwicklung der Mannschaft. Zu Saisonbeginn, darauf wies Kotrainer Bilal Mohandi in der Kabine hin, wäre das Team in einem Spiel, in dem die Gegnerinnen, 14-mal von jenseits der Linie treffen, selbst gegen eine gute Verteidigung, eingebrochen. „Diesmal sind die Mädels positiv geblieben und haben sich letztlich weder von den ausbleibenden Pfiffen runterziehen lassen noch davon, dass Dillingen zurückkam.“
Mit dem vierten Sieg könnte Trainer und Spielerinnen gutgelaunt in die Weihnachtspause gehen, sagte Aron Duracak. Zum Vergleich: In der gesamten vorigen Saison war der ASC fünfmal erfolgreich. Diese Ausbeute wolle das Team am 10. Januar erreichen, in der ersten Partie des neuen Jahres. Zu Gast im Theresianum sind dann: die Dillingen Diamonds.
Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Unterstützung von SPORT AUS MAINZ.
Fotos: Georg Gross
