Aller Anfang ist schwer
Neu formierter MTV Stuttgart unterliegt Würzburg 59:77 – nach schwacher erster Hälfte zeigt das Team von Edgars Ikstens die gewünschte Reaktion
Der Saisonstart ist für Lou’s Foodtruck MTV Stuttgart zur Standortbestimmung geworden. Gegen die KB Sharks Würzburg unterlag der neu formierte Zweitligist mit 59:77 (14:25, 11:19, 17:17, 17:16). Vier Spielerinnen aus der letztjährigen Startformation stehen nicht mehr zur Verfügung. Entsprechend war die Partie auch eine erste Bestandsaufnahme einer Mannschaft, die ihre Rollen und Abläufe noch finden muss.
Dass dieser Prozess Zeit benötigt, zeigte sich vor allem in der ersten Halbzeit.
Würzburg zieht früh davon
Dabei hatte Stuttgart zunächst den besseren Zugriff und führte nach drei Minuten 8:4. Dann kippte das Spiel. Würzburg antwortete mit einem 9:0-Lauf und kontrollierte fortan Tempo und Rhythmus.
Vor allem die Effizienz machte den Unterschied. Die Sharks trafen 45 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld, Stuttgart lediglich 27 Prozent. Auch von der Dreierlinie lag Würzburg mit 38 Prozent deutlich vor dem MTV (20 Prozent). Zur Pause führten die Gäste 44:25.
Dabei war Stuttgart keineswegs chancenlos im Kampf um die zweiten Bälle: 48 Rebounds, darunter 20 am offensiven Brett, standen 47 Würzburger Rebounds gegenüber. Aus diesem Übergewicht konnte der MTV jedoch zu wenig Kapital schlagen.
„Genau an dieser Mannschaft arbeiten wir“
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Stuttgart hielt das dritte Viertel ausgeglichen und gewann den Schlussabschnitt sogar mit 17:16. Der Rückstand aus der ersten Hälfte war allerdings nicht mehr aufzuholen.
Headcoach Edgars Ikstens wollte deshalb weniger über das Ergebnis als über die Reaktion seiner Mannschaft sprechen.
Edgars Ikstens im Dialog mit Katara Lischka
„Die Niederlage spricht für sich. Aber was ich im dritten und vierten Viertel gesehen habe – den Kampf, das Zurückkommen, Ballbesitz für Ballbesitz – das ist die Mannschaft, die ich sehen will. Genau an dieser Mannschaft arbeiten wir.“
Die Probleme sieht der neue Trainer weniger in fehlenden Möglichkeiten als in der Konsequenz ihrer Ausführung.
„Wir hatten gute Würfe. Das war nicht das Problem. Aber zu viele Ballbesitze endeten mit schlechter Wurfauswahl. Das hat uns auf der anderen Seite wehgetan.“
Aus den offensiven Fehlentscheidungen entstanden nach seiner Analyse Probleme in der Transition-Defense und bei den defensiven Zuordnungen. Für Ikstens sind es Kleinigkeiten, die sich über viele Ballbesitze hinweg zu einem deutlichen Nachteil summierten.
Teamchemie als Schlüssel
Dass die Mannschaft noch zusammenwachsen muss, ist auch für Hannah Dereje ein zentraler Punkt. Die Neuzugang steht vor ihrer ersten Saison beim MTV und vergleicht die neue Umgebung mit dem College-Basketball in den USA. „Hier ist es körperlicher, und die Teamchemie spielt eine noch größere Rolle. Ansonsten sind Tempo und Strategie durchaus vergleichbar.“
Hannah Dereje bei ihrem ersten Spiel in der 2. DBBL
Teamchemie bedeute für sie vor allem, auf dem Feld die richtigen Entscheidungen füreinander zu treffen: den freien Schützen zu finden, Missmatches auszunutzen, defensiv miteinander zu kommunizieren und nicht die individuelle, sondern die beste Lösung für die Mannschaft zu suchen.„Wenn die Teamchemie stimmt, sieht das Spiel irgendwann mühelos aus“, sagt Dereje.
Nachwuchs bekommt seine Bühne
Für die Zukunftsperspektive des MTV standen zugleich zwei besondere Szenen. Die 14-jährige Merjem „Mimi“ Hodzic und die 15-jährige Soraya Zouaoui feierten ihr Debüt – und kamen bereits früh zum Einsatz. Hodzic sammelte dabei sogar ihre ersten Punkte. „Ich hatte gemischte Gefühle aus Aufregung und Vorfreude. Ich finde es cool vom Trainer, dass er mir eine Chance gegeben hat, obwohl ich erst 14 bin.“
Angeführt wurde die MTV-Offensive von Louisa Groth mit 13 Punkten. Joanna Scheu kam auf zwölf Punkte und vier Assists, Salma El-Haiwan auf neun Punkte. Hannah Dereje sammelte acht Rebounds.
Mimi Hodzic für Drei
Für Würzburg war Johanna Michel mit 25 Punkten erfolgreichste Werferin. Elina Timoschenko kam auf 19 Punkte, neun Rebounds und sieben Assists.
„Wir werden einen Schritt nach vorne machen“
Für Groth ist die Analyse des Auftakts eindeutig: „Besonders defensiv waren wir nicht auf dem Level, das diese Liga benötigt.“ Die Mannschaft müsse nun im Training an den eigenen Defiziten arbeiten.
Dereje richtet den Blick ebenfalls nach vorne. „Auch wenn dieses Spiel nicht nach Plan gelaufen ist, bin ich zuversichtlich, dass wir im weiteren Saisonverlauf einen Schritt nach vorne machen werden.“
Das 59:77 gegen Würzburg liefert damit noch kein abschließendes Bild vom neuen MTV. Es zeigt vielmehr, wo die Mannschaft am Beginn ihres Entwicklungsprozesses steht: Die Rollen müssen sich finden, die Abläufe stabiler werden und aus einzelnen Spielerinnen muss eine Mannschaft entstehen.
Die nächste Gelegenheit dafür folgt bereits am kommenden Spieltag in Wasserburg.n


